Konjunktur im Handwerk: Was der ZDH-Bericht für deinen Betrieb heißt
Der Aufschwung, von dem in den Nachrichten die Rede ist, kommt im Handwerk bisher nicht an. Das zeigt der aktuelle Konjunkturbericht des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). Für dich als Inhaber heißt das: Das Auftragspolster wird dünner, die Kosten steigen, und die Investitionsbereitschaft ist im Keller. Die Frage ist, was du daraus für die nächsten Monate machst.
Was der ZDH-Konjunkturbericht sagt
Der ZDH hat seinen Konjunkturbericht 2/2026 am 4. November 2026 veröffentlicht. Die Kernaussagen laut ZDH-Konjunkturbericht (Stand: 4. November 2026):
- Der Geschäftslageindikator fällt um 5 Zähler auf 21 Punkte. Die Lage wird schlechter bewertet als vor einem Jahr.
- Der Geschäftserwartungsindikator sinkt um 6 Zähler auf minus 9 Punkte.
- Die Auftragsreichweite liegt bei 8,0 Wochen, im dritten Quartal 2025 waren es 8,3 Wochen.
- Die Kapazitätsauslastung liegt bei 78 Prozent.
- Der Investitionsindikator fällt auf minus 16 Punkte. Das ist laut ZDH der niedrigste Stand in einem dritten Quartal seit der Finanzkrise 2009.
Für das Gesamtjahr 2026 rechnet der ZDH mit einem nominalen Umsatzplus von etwa 2,5 Prozent. Real, also nach Abzug der Preissteigerungen, ergibt sich ein Minus von rund 1,5 Prozent. Die Zahl der Beschäftigungsverhältnisse soll ebenfalls um etwa 1,5 Prozent sinken.
Wichtig: Das sind Durchschnittswerte für das gesamte Handwerk, nicht für das SHK-Handwerk. Wie es in deinem Gewerk und in deiner Region aussieht, kann deutlich abweichen.
Warum die Preise trotzdem steigen
Der Absatzpreisindikator steigt laut ZDH um 10 Zähler auf 32 Punkte, und die Erwartungen zeigen weiter nach oben. ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke sagte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, handwerkliche Leistungen würden teurer und notwendige Investitionen schwerer finanzierbar.
Das ist die Schere, in der viele Betriebe stecken: Die Kosten für Energie, Material und Löhne laufen davon, die Nachfrage zieht nicht im gleichen Tempo an. Wer jetzt nicht weiß, was ein Auftrag wirklich kostet, verliert Marge, ohne es zu merken. Das haben wir auch beim Mittelstandsmonitor zu den Energiekosten gesehen. Wie die Auftragslage früher im Jahr aussah, steht im Beitrag zur Konjunktur 2026 und Auftragslage.
Meine Meinung: Politik und Konjunktur kannst du nicht steuern. Deine Kalkulation, deine Preise und deine Abläufe schon.
Was ein dünneres Auftragspolster für dich bedeutet
Acht Wochen Auftragsreichweite klingt nach viel, ist aber im Schnitt nur etwas mehr als ein Monat Puffer, wenn du Planung, Material und Montage einrechnest. Sinkt die Reichweite, wird jede Lücke im Plan teuer: Monteure stehen ohne Baustelle da, Fixkosten laufen weiter.
Drei Dinge entscheiden jetzt darüber, ob du entspannt bleibst:
- Du kennst deine Zahlen. Auslastung, Auftragsbestand und offene Angebote solltest du jede Woche sehen, nicht einmal im Quartal.
- Du hast Reserven geplant. Ein Liquiditätsplan für die nächsten sechs Monate zeigt, ob eine Flaute auffangbar ist.
- Du fasst nach. Offene Angebote sind verschenktes Geld. Wie du das ohne Aufdringlichkeit machst, steht in unserem Beitrag zum Nachfassen mit KI.
Wer die Zahlen kennt, kann entscheiden. Wer sie nicht kennt, kann nur hoffen.
Investieren oder abwarten?
Dass der Investitionsindikator so tief steht, ist verständlich. Wer unsicher ist, hält das Geld zusammen. Aber genau dort liegt das Risiko: Wer jetzt nichts in Abläufe und Büro steckt, zahlt später mit Überstunden und Fehlern.
Meine Erfahrung aus über zwölf Jahren Unternehmertum: Die Betriebe, die in schwächeren Phasen ihre Struktur aufräumen, starten besser in den nächsten Aufschwung. Das heißt nicht, dass du teure Software kaufen sollst. Es heißt: Erst Struktur und Prozesse, dann Software und KI. Ein Beispiel: Ein SHK-Betrieb mit 15 Mitarbeitern schaut sich einmal an, wie ein Auftrag vom Anruf bis zur Rechnung läuft, und findet dabei drei Stellen, an denen Zeit liegen bleibt. Das kostet einen Nachmittag und kein Budget.
Was du jetzt tun solltest
- Kennzahlen aufschreiben. Notiere Auslastung, Auftragsbestand in Wochen und offene Angebote. Mach das jeden Montag, die fünf Zahlen für den Montag reichen.
- Liquidität für sechs Monate planen. Schreib auf, was reinkommt und was rausgeht, und rechne einen schwächeren Monat ein.
- Preise prüfen. Vergleiche deine Stundensätze und Materialaufschläge mit deinen tatsächlichen Kosten. Wie du Erhöhungen ankündigst, steht im Beitrag zur Preiserhöhung im Handwerk.
- Offene Angebote nachfassen. Ruf jeden Kunden an, dessen Angebot älter als zwei Wochen ist.
- Einen Ablauf aufräumen. Such dir den Prozess aus, der dich am meisten nervt, und schreib ihn auf, bevor du ihn änderst.
Häufige Fragen
Betrifft die Konjunkturlage jeden Handwerksbetrieb gleich? Nein. Der ZDH-Bericht zeigt Durchschnittswerte über alle Gewerke. In einzelnen Gewerken und Regionen kann die Lage deutlich besser oder schlechter sein.
Soll ich bei schwacher Konjunktur Mitarbeiter abbauen? Das ist eine Einzelfallentscheidung. Prüfe zuerst deine Auslastung und deine Liquidität. Gute Leute sind schwer zu ersetzen, wenn es wieder anzieht.
Was ist der wichtigste erste Schritt? Kenne deine Zahlen. Ohne Auslastung, Auftragsbestand und Liquidität entscheidest du nach Bauchgefühl.
Fazit
Der ZDH-Bericht zeigt: Das Handwerk hängt an der Konjunktur, aber nicht jeder Betrieb gleich stark. Dünneres Auftragspolster, steigende Kosten und zurückhaltende Investitionen sind ein Warnsignal, kein Urteil. Wer seine Zahlen kennt, seine Preise prüft und seine Abläufe aufräumt, ist besser vorbereitet als der Durchschnitt. Das kannst du steuern.
Stand: November 2026. Die Zahlen stammen aus dem ZDH-Konjunkturbericht 2/2026 (Stand: 4. November 2026) und gelten für das gesamte Handwerk. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Bitte vor Entscheidungen den aktuellen Stand prüfen.