Zum Inhalt springen
Steuerschätzung Handwerk: Inhaber prüft Zahlen und Steuerplanung im Büro
← Alle BeiträgeMarkt & Politik · Oktober 2026 · 5 Min. Lesezeit

Steuerschätzung Handwerk: Warum mehr Steuereinnahmen noch keine Entlastung für deinen Betrieb sind

Am 22. Oktober 2026 hat der Arbeitskreis Steuerschätzung seine Herbstprognose vorgelegt: Bund, Länder und Gemeinden nehmen in den nächsten Jahren mehr ein als bisher gedacht. Für dich als Inhaber klingt das nach Rückenwind. Die Frage ist, ob davon bei dir etwas ankommt. Kurze Antwort: noch nicht. Deshalb planst du 2027 mit dem, was heute gilt, und nicht mit dem, was gefordert wird.

Was die Steuerschätzung vom 22. Oktober 2026 sagt

Laut ZDF heute (Stand: 22. Oktober 2026) rechnen die Schätzer für 2026 mit Steuereinnahmen von 997,9 Milliarden Euro, ungefähr auf dem Niveau der Mai-Prognose. Für 2027 erwarten sie rund 1.044 Milliarden Euro, das sind rund 10,9 Milliarden Euro mehr als zuvor geschätzt. In den kommenden vier Jahren sollen Bund, Länder und Gemeinden im Schnitt rund 11 Milliarden Euro pro Jahr mehr einnehmen als bisher erwartet.

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil sagte laut ZDF heute, für 2027 gebe es keine neuen finanziellen Spielräume, aber es müssten auch keine neuen Haushaltslücken geschlossen werden. Er warnte davor, die Mehreinnahmen schon zu verplanen. Aus der Politik kommen zugleich Forderungen nach Steuersenkungen, etwa bei der Stromsteuer. Der Finanzminister verlangt dafür Finanzierungskonzepte.

Was das Handwerk jetzt fordert

Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) hat zur Steuerschätzung am 22. Oktober 2026 eine Pressemitteilung veröffentlicht. Steigende Einnahmen seien eine gute Nachricht, aber „kein Grund zur Entwarnung“. Der Spielraum solle die zugesagten Entlastungen für die Wirtschaft finanzieren und nicht in neue Ausgaben fließen.

Konkret fordert der ZDH eine dauerhafte Senkung der Stromsteuer für alle Betriebe und einen vollständigen Ausgleich der kalten Progression. Das heißt einfach gesagt: Wenn dein Gewinn nur wegen höherer Preise steigt, soll nicht automatisch ein höherer Steuersatz greifen. Laut ZDH sind rund drei Viertel der Handwerksbetriebe Personenunternehmen, bei denen die Einkommensteuer zugleich Unternehmensteuer ist. Das trifft also die meisten Betriebe direkt.

Warum mehr Einnahmen nicht automatisch Entlastung heißen

Meine Meinung: Eine Prognose ist kein Gesetz. Zwischen einer Schätzung und einer Entlastung in deiner Steuererklärung liegen Gesetzentwurf, Bundestag, Bundesrat und oft viele Monate. Was heute noch Forderung oder Ankündigung ist, bleibt es, bis ein Gesetz beschlossen ist.

Dazu kommt: Die Schätzung nennt Summen für Bund, Länder und Gemeinden zusammen. Welcher Teil davon als Entlastung bei einem Betrieb wie deinem landet, sagt sie nicht. Das entscheiden die Gesetze, die erst noch kommen.

Ich habe die beiden Themen, um die es dabei geht, schon eingeordnet: Stromsteuer Handwerk und Einkommensteuerreform 2027. Die Steuerschätzung ändert an beidem nichts. Sie zeigt nur, dass die Debatte darüber weitergeht.

Aus meiner Sicht als Handwerker ist das der eigentliche Punkt: Du kannst nicht steuern, ob und wann der Staat entlastet. Du kannst steuern, ob dein Betrieb eine ausbleibende Entlastung verkraftet.

So planst du 2027, ohne auf Entlastung zu wetten

Ein SHK-Betrieb mit 15 Mitarbeitern stellt seine Planung für 2027 auf drei Zeilen auf. Zeile eins: Kosten und Steuerlast nach heutigem Recht. Zeile zwei: Mehrkosten, die sicher kommen, zum Beispiel Lohnerhöhungen. Zeile drei: eine Entlastung, die nur dann eingetragen wird, wenn sie beschlossen ist. So steht die Hoffnung nicht im Zahlenwerk, sondern daneben. Das ist ein typisches Beispiel, kein echter Kundenfall.

Der Vorteil: Kommt die Entlastung, ist sie ein Bonus für Rücklagen, Fahrzeuge oder Ausbildung. Kommt sie nicht, hast du trotzdem gerechnet. Wie du dafür deine Zahlen 13 Wochen im Voraus siehst, steht im Beitrag Liquiditätsplanung im Handwerk.

Was das für deine Angebote und Preise heißt

Für deine Kalkulation zählt, was du heute weißt. Stromkosten, Lohnkosten und Steuerlast gehören so in deinen Stundenverrechnungssatz, wie sie heute sind. Ändert sich später etwas, passt du den Satz an, aber du verschenkst vorher keine Marge. Ein Preis, der nur bei einer erhofften Steuersenkung aufgeht, ist keine Kalkulation, sondern eine Wette. Wie du deinen Satz sauber rechnest, steht im Beitrag Stundenverrechnungssatz berechnen im Handwerk.

Was du jetzt tun solltest

  1. Mit geltendem Recht rechnen. Stelle deine Planung 2027 so auf, als käme keine zusätzliche Entlastung. Alles andere ist eine zweite Spalte.
  2. Steuerrücklage festlegen. Lege monatlich einen festen Betrag für Steuern zur Seite. Die Höhe klärst du mit deinem Steuerberater.
  3. Termin im Dezember setzen. Besprich mit deinem Steuerberater Gewinnprognose 2026, Vorauszahlungen und die Frage, was sich 2027 ändern könnte.
  4. Entlastung als eigene Zeile führen. Trage Stromsteuer oder Tarifänderungen erst ein, wenn sie beschlossen sind.
  5. Liquidität wöchentlich ansehen. 15 Minuten pro Woche zeigen dir, ob die Rücklage hält.

Häufige Fragen

Was ist die Steuerschätzung? Der Arbeitskreis Steuerschätzung ist laut ZDF heute ein 1955 gegründeter Beirat des Bundesfinanzministeriums. Er tagt zweimal im Jahr, und seine Prognosen sind die Grundlage für die Haushaltsplanung von Bund, Ländern und Gemeinden.

Sinkt meine Steuer jetzt? Nein. Die Steuerschätzung ist eine Prognose und ändert kein Gesetz. Deine Steuerlast ändert sich erst, wenn eine Regel beschlossen und in Kraft getreten ist.

Was ist kalte Progression? Wenn dein Gewinn vor allem wegen höherer Preise steigt und du dadurch in einen höheren Steuersatz rutschst, ohne dass du real mehr verdienst. Der ZDH fordert, das vollständig auszugleichen.

Fazit

Die Herbst-Steuerschätzung bringt mehr Einnahmen für den Staat, aber laut Finanzminister keinen neuen Spielraum für 2027. Der ZDH fordert Entlastung bei Stromsteuer und Einkommensteuer, ob und wann daraus Gesetze werden, ist offen. Meine Erfahrung aus der eigenen Badmanufaktur: Ein Betrieb, der seine Zahlen kennt und Rücklagen führt, ist von keiner Schlagzeile abhängig. Erst Struktur und Prozesse, dann Software und KI. Politik und Markt kannst du nicht steuern, deinen Betrieb schon.

Quellen und Hinweis

Quellen: ZDF heute, Steuerschätzung vom 22.10.2026 und ZDH, Pressemitteilung vom 22.10.2026. Alle Angaben ohne Gewähr.

Stand: Oktober 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Bitte vor Entscheidungen den aktuellen Stand prüfen.