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SHK-Betrieb auf der Baustelle – Energiekosten im Handwerk und Kalkulation
← Alle BeiträgeMarkt & Politik · November 2026 · 5 Min. Lesezeit

Energiekosten im Handwerk: Was der Mittelstandsmonitor 2026 für deinen Betrieb heißt

Die Energiekosten im Handwerk sind wieder Thema: Am 3. November 2026 hat die Arbeitsgemeinschaft Mittelstand ihren dritten Mittelstandsmonitor 2026 vorgestellt. Die Meldung liegt auch auf der Website des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). Für dich als Inhaber heißt das: Die Rahmenbedingungen bleiben schwierig, und du solltest Energie, Lohn und Bürokratie fest in deine Kalkulation einplanen, statt auf Entlastung zu warten.

Was der Mittelstandsmonitor aussagt

Die Arbeitsgemeinschaft Mittelstand ist ein Zusammenschluss von zehn Wirtschaftsverbänden. Sie lässt die Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen auf einer Skala von minus 3 (sehr schlecht) bis plus 3 (sehr gut) bewerten. Das Ergebnis laut Pressemitteilung: minus 2, genau wie im Vorjahr. Ein Aufschwung sei im Mittelstand noch nicht angekommen.

Wichtig für die Einordnung: Das ist eine Umfrage im gesamten Mittelstand, nicht nur im Handwerk. Die Richtung passt aber zu dem, was viele SHK-Inhaber im Alltag spüren.

Zum Thema Energie nennt die Mitteilung diese Werte:

  • Bei knapp der Hälfte der Unternehmen sind die Energiekosten weiter gestiegen.
  • Zwei Drittel müssen höhere Wärmekosten tragen.
  • Rund ein Drittel verschiebt deshalb Investitionen.
  • Etwa jedes fünfte Unternehmen prüft eine Verlagerung ins Ausland.

(Quelle: Pressemitteilung der AG Mittelstand vom 3. November 2026)

Arbeitskosten und Bürokratie kommen obendrauf

Neben der Energie nennt die Mitteilung zwei weitere Kostentreiber. Die Arbeitskosten lagen 2025 im Schnitt bei 45 Euro je Stunde, rund 29 Prozent über dem EU-Durchschnitt. Die Bürokratiebelastung beziffert die Mitteilung auf jährlich 65,3 Milliarden Euro. Die Verbände erkennen die Bemühungen beim Bürokratieabbau und das geplante Berichtsentlastungsgesetz an, halten die Last aber weiter für viel zu hoch.

Meine Meinung: Das sind keine Zahlen, die du im Betrieb beeinflussen kannst. Aber sie zeigen, in welche Richtung deine Kosten laufen. Genau deshalb lohnt der Blick auf das, was du selbst steuerst.

Was im Handwerk gerade bei den Preisen passiert

Der ZDH-Kurzbericht Konjunktur zum 2. Quartal 2026 vom 28. August zeigt die andere Seite: Der Geschäftsklimaindex sank um 13 Zähler auf 102 Punkte. Der Absatzpreisindikator stieg um 8 Zähler auf 28 Punkte, ein Vierjahreshoch. Mehr Betriebe erhöhen also ihre Absatzpreise. Der Bericht erwartet für das zweite Halbjahr eine weitere Eintrübung.

(Quelle: ZDH-Kurzbericht Konjunktur 2. Quartal 2026)

Mehr dazu in unserem Beitrag zur Preiserhöhung im Handwerk und zur Senkung der Stromsteuer.

Warum Struktur wichtiger ist als die nächste Schlagzeile

Politik und Märkte kannst du nicht steuern. Deinen Betrieb schon. Wer seine Kosten nicht kennt, merkt höhere Energie- und Lohnkosten erst, wenn die Marge schon weg ist. Wer dagegen seinen Stundenverrechnungssatz und seine Nachkalkulation im Griff hat, sieht sofort, wo der Preis nicht mehr passt.

Ein typisches Beispiel: Ein SHK-Betrieb mit 15 Mitarbeitern rechnet seit Jahren mit demselben Satz. Die Fahrzeuge, die Werkstatt und die Löhne sind teurer geworden, der Satz ist gleich geblieben. Erst die Nachkalkulation zeigt, dass einzelne Aufträge kaum noch etwas übrig lassen.

Software und KI helfen dir dabei erst, wenn die Abläufe stehen. Zuerst die Zahlen, dann das Werkzeug.

Dazu gehört auch ein ehrlicher Blick auf deine Aufträge. Nicht jeder Auftrag bringt gleich viel. Kleinaufträge mit langer Anfahrt, Kunden mit endlosen Rückfragen oder Baustellen mit ständigen Änderungen fressen Zeit, die in der Nachkalkulation später fehlt. Wer das jede Woche sieht, kann gegensteuern: Preise anpassen, Pauschalen einführen oder einen Auftrag auch mal ablehnen.

Und noch etwas: Sprich mit deinem Team über Kosten. Wenn Monteure wissen, warum Fahrten gebündelt und Material sauber bestellt wird, spart das jeden Tag ein paar Minuten und ein paar Euro. Das ist keine Sparmaßnahme von oben, sondern ein gemeinsamer Ablauf, der den Betrieb stabiler macht.

Was du jetzt tun solltest

  1. Kosten pro Stunde neu rechnen. Lohn, Fahrzeug, Werkstatt, Energie und Büro gehören hinein. Wie das geht, steht im Beitrag zum Stundenverrechnungssatz.
  2. Energiekosten als eigene Position führen. Wenn du Fahrzeug- und Werkstattenergie getrennt siehst, erkennst du Ausreißer schneller.
  3. Angebote mit Preisgleitung prüfen. Bei langen Laufzeiten sollte klar sein, wie du mit Materialpreisen umgehst. Frag dazu deinen Anwalt oder Steuerberater.
  4. Bürokratie bündeln. Ein fester Wochentermin für Dokumentation und Nachweise verhindert, dass alles am Feierabend hängen bleibt.
  5. Kennzahlen jeden Montag ansehen. Auftragsbestand, Marge und offene Rechnungen reichen für den Anfang.

Häufige Fragen

Gilt der Mittelstandsmonitor nur für das Handwerk? Nein. Er bildet den gesamten Mittelstand ab. Die Werte geben die Stimmung wieder, sie sind keine Handwerksstatistik.

Sinkt die Stromsteuer für mein Unternehmen? Die Mitteilung nennt die Senkung auf das europäische Mindestmaß für alle Unternehmen als Forderung und verweist auf den Koalitionsvertrag. Wie und wann sie kommt, entscheidet die Politik. Plane vorsichtig, bis es beschlossen ist.

Soll ich jetzt meine Preise erhöhen? Das hängt von deinen eigenen Zahlen ab. Rechne erst deine echten Kosten und deine Nachkalkulation durch, dann entscheidest du mit Zahlen statt mit Bauchgefühl.

Fazit

Die Lage im Mittelstand bleibt angespannt, und die Preise im Handwerk steigen. Du kannst weder Energiepreise noch Gesetze ändern. Du kannst aber deine Kosten kennen, deine Preise sauber begründen und deine Abläufe so aufstellen, dass dich neue Vorgaben nicht aus dem Takt bringen.

Stand: November 2026. Quellen: Pressemitteilung der AG Mittelstand vom 3. November 2026 und ZDH-Kurzbericht Konjunktur 2. Quartal 2026 (28. August 2026). Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Bitte vor Entscheidungen den aktuellen Stand prüfen.