Fachkräfte-Einwanderung im Handwerk: Was die neuen Destatis-Zahlen für deinen Betrieb bedeuten
Das Statistische Bundesamt hat Ende September neue Zahlen veröffentlicht: Beschäftigte mit Einwanderungsgeschichte sind in vielen Engpassberufen überdurchschnittlich stark vertreten. Für dich als Inhaber heißt das: Beim Thema Fachkräfte-Einwanderung im Handwerk geht es nicht um Politik, sondern um die Frage, ob dein Betrieb Menschen aus verschiedenen Hintergründen sauber einarbeiten und halten kann. Dieser Beitrag ordnet die Zahlen ein und zeigt, was du daraus für deinen Alltag ableitest.
Was das Statistische Bundesamt gemeldet hat
Die Auswertung stützt sich auf den Mikrozensus 2025 und wurde am 28. September 2026 veröffentlicht. Als „Einwanderungsgeschichte“ zählt laut Destatis, wenn eine Person selbst oder beide Elternteile seit 1950 nach Deutschland eingewandert sind.
Über alle abhängig Beschäftigten hinweg liegt der Anteil bei rund 27 Prozent. In einzelnen Engpassberufen ist er deutlich höher, zum Beispiel bei Bodenverlegern (54 Prozent) und im Gerüstbau (51 Prozent). In der Bauelektrik liegt er bei 29 Prozent. Berufe wie Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klimatechnik nennt die Mitteilung nicht einzeln, deshalb lassen sich daraus keine Zahlen für das SHK-Handwerk ableiten.
Außerdem zeigt die Auswertung: Die Erwerbstätigkeit hängt stark von der Aufenthaltsdauer ab. Bei Menschen, die erst kurz in Deutschland leben, gibt es große Unterschiede je nach Herkunftsregion und Geschlecht. Nach 20 bis 25 Jahren gleichen sich die Quoten deutlich an.
Fachkräfte-Einwanderung im Handwerk: Was die Zahlen für dich heißen
Zahlen sind keine Handlungsanweisung. Aber sie zeigen eine Richtung: In mehreren Bau- und Ausbaugewerken arbeiten schon heute viele Menschen, die selbst oder deren Eltern eingewandert sind. Wer als Inhaber Stellen besetzen will, bewirbt sich in einem Markt, in dem diese Beschäftigten längst selbstverständlich dazugehören.
Meine Meinung: Der Fachkräftemangel lässt sich nicht allein mit Wünschen an die Politik lösen. Du kannst weder die Zuwanderungsregeln noch die Zahl der Bewerber steuern. Du kannst aber steuern, wie gut dein Betrieb jeden neuen Mitarbeiter in den ersten Wochen aufnimmt.
Wo es im Alltag wirklich hakt
Wenn neue Monteure schnell wieder gehen, liegt es selten an der Herkunft. Es liegt fast immer an denselben Dingen:
- Aufgaben werden mündlich und „nebenbei“ erklärt, und jeder erklärt sie anders.
- Fachbegriffe und Abkürzungen aus dem Betrieb sind für Neue nirgends erklärt.
- Niemand ist klar als Ansprechpartner benannt.
- Sicherheitsunterweisungen und Betriebsregeln existieren nur im Kopf des Chefs.
Das trifft alle Neuen, auch Berufseinsteiger aus der Region. Bei Menschen, deren Deutsch noch nicht perfekt ist, fällt es nur schneller auf. Wer seine Abläufe sauber aufschreibt, hilft damit dem ganzen Team.
Struktur schlägt Sprachbarriere
Ein SHK-Betrieb mit 15 Mitarbeitern kann seine wichtigsten Abläufe in kurze, bebilderte Arbeitsanweisungen packen: Wie wird eine Baustelle vorbereitet? Was gehört in den Montagewagen? Wie läuft die Übergabe an den Kunden? Solche Anweisungen mit Fotos und kurzen Sätzen sind für jeden schneller verständlich als lange Erklärungen am Telefon.
Wie du das aufbaust, steht im Beitrag zu Arbeitsanweisungen mit KI. Und wie die ersten 90 Tage eines neuen Mitarbeiters strukturiert ablaufen, haben wir im Beitrag zur Einarbeitung neuer Mitarbeiter beschrieben.
Das ist der Kern unserer Haltung: Erst Struktur und Prozesse, dann Software und KI. Eine KI-Übersetzung hilft dir wenig, wenn dein Ablauf selbst noch nirgends steht.
Warum das auch eine Frage der Wirtschaftlichkeit ist
Jede Kündigung in den ersten Monaten kostet dich Geld: Die Stelle war ausgeschrieben, ein Kollege hat Zeit in die Einarbeitung gesteckt, und die Baustelle lief mit halber Besetzung. Wer neue Leute schnell produktiv macht, spart genau diese Kosten. Das gilt unabhängig von Herkunft oder Sprache, aber dort, wo die Verständigung anfangs mehr Mühe macht, zahlt sich ein sauberer Ablauf besonders schnell aus.
Prüfe deshalb einmal ehrlich: Wie viele Neue hast du in den letzten zwei Jahren eingestellt, und wie viele sind noch da? Die Antwort zeigt dir, wo dein Prozess Lücken hat. Mehr zur Rolle von Strukturen beim Personalthema findest du im Beitrag zum Fachkräftemangel im Handwerk.
Was du jetzt tun solltest
- Die fünf wichtigsten Abläufe aufschreiben. Beginne mit Baustellenstart, Materialentnahme, Tagesbericht, Übergabe und Arbeitssicherheit. Kurze Sätze, ein Foto pro Schritt.
- Betriebsvokabular sammeln. Lege eine einseitige Liste mit den Begriffen und Abkürzungen an, die in deinem Betrieb täglich fallen, und erkläre sie in einem Satz.
- Einen festen Paten benennen. Jeder Neue bekommt in den ersten Wochen einen klaren Ansprechpartner im Team, der Zeit dafür eingeplant hat.
- Feedback nach zwei, vier und acht Wochen einholen. Frage gezielt: Was war unklar, was fehlte, was würdest du anders erklären?
- Bewerbungsprozess prüfen. Sind deine Stellenanzeigen und dein Ablauf bis zum ersten Arbeitstag verständlich und schnell? Wer lange auf Rückmeldung wartet, sucht sich einen anderen Betrieb.
Häufige Fragen
Sagt die Destatis-Auswertung etwas über das SHK-Handwerk? Nicht direkt. Die Mitteilung nennt unter anderem Bodenverlegung, Gerüstbau und Bauelektrik, aber keine Zahlen für Anlagenmechaniker. Für deine Planung zählt deshalb vor allem, wie es in deiner Region und in deinem Betrieb aussieht.
Muss ich meine Arbeitsanweisungen übersetzen lassen? Nicht zwingend. Oft reichen kurze Sätze, Fotos und eine Begriffsliste. Prüfe im Gespräch mit dem Team, was wirklich gebraucht wird, bevor du Aufwand betreibst.
Was ändert das an meinen rechtlichen Pflichten? Für Fragen zu Arbeitserlaubnis, Anerkennung von Abschlüssen oder Arbeitsrecht im Einzelfall wende dich an deine Handwerkskammer oder einen Fachanwalt. Dieser Beitrag gibt dafür keine Einzelfallberatung.
Fazit
Die Destatis-Zahlen zeigen, dass Vielfalt in vielen Berufen längst Alltag ist. Für dich zählt weniger, woher jemand kommt, als ob dein Betrieb ihn gut aufnehmen kann. Mit klaren Abläufen, einem festen Paten und ehrlichem Feedback holst du neue Leute schneller ins Team und hältst sie länger. Das kannst du steuern, anders als die Politik.
Quellen: Statistisches Bundesamt: Beschäftigte mit Einwanderungsgeschichte 2025 in vielen Mangelberufen überdurchschnittlich stark vertreten (28. September 2026), Handwerksblatt: Einwanderer sichern Fachkräfte in vielen Berufen (1. Oktober 2026).
Stand: Oktober 2026. Dieser Beitrag ersetzt keine Rechts- oder Steuerberatung. Bitte vor Entscheidungen den aktuellen Stand prüfen.